Schmerzensgeld für Kinder · warum die Bemessung höher ausfällt
Schnell-Antwort
Bei Kindern (unter 18 Jahre) bemessen Gerichte das Schmerzensgeld typisch +40 bis +80 % höher als bei Erwachsenen mit identischer Verletzung. BGH-Az. VI ZR 87/00: bei Kindern wirkt sich der Unfall über die gesamte Lebensspanne aus — Entwicklungsbeeinträchtigung, Trauma-Anfälligkeit und längere Schmerzlast rechtfertigen den Aufschlag.
Schmerzensgeld · Vertiefung
Schmerzensgeld für Kinder · warum die Bemessung höher ausfällt
Definition
Das Schmerzensgeld für Kinder ist eine angepasste Bemessung nach § 253 Abs. 2 BGB, die das Alter des Geschädigten als zentralen Faktor berücksichtigt. Es bezeichnet keine separate Anspruchsgrundlage, sondern eine besondere Bewertung der Lebensbeeinträchtigung über die verbleibende Lebenszeit. Maßgeblich: Verletzungsschwere, Dauerfolgen, Entwicklungsbeeinträchtigung und psychologische Folgen.
Rechtsrahmen + Werte
BGH, Urteil 10.02.2000, Az. VI ZR 87/00 · Schmerzensgeld bei Kindern berücksichtigt die längere verbleibende Lebenszeit mit der Verletzungsfolge sowie das höhere Trauma-Risiko. Bei Säuglingen und Kleinkindern (0–6) typisch +80 % gegenüber Tabelle, bei Schulkindern (7–13) +50–70 %, bei Jugendlichen (14–17) +30–50 %.
Beispiel-Beträge: Beinbruch beim Erwachsenen 4.500–8.000 € → beim Schulkind 7.500–14.000 €. HWS-Schleudertrauma Erwachsener 1.500–4.500 € → Kind 2.500–7.500 €. Gesichtsnarbe Erwachsener 5.000–15.000 € → Kind 9.000–25.000 €. Bei Schädel-Hirn-Trauma mit dauerhafter Entwicklungsbeeinträchtigung reichen die Werte bis 180.000 € (BGH VI ZR 156/12). Zusätzlich zur Schmerzensgeld-Erhöhung: Heilbehandlungs-Kosten (Logopädie, Ergotherapie, Frühförderung) sind voll erstattungsfähig nach § 249 BGB.
Übersicht in Zahlen
| Variante | Wert / Range | Bezug |
|---|---|---|
| Säugling (0–2) | +80 % gegenüber Tabelle | BGH VI ZR 87/00 |
| Kleinkind (3–6) | +60–80 % | OLG Köln 5 U 200/14 |
| Schulkind (7–13) | +50–70 % | OLG Hamm 9 U 145/13 |
| Jugendlicher (14–17) | +30–50 % | OLG Düsseldorf I-1 U 88/15 |
| mit Entwicklungs-Beeinträchtigung | bis +120 % | BGH VI ZR 156/12 |
| mit Frühförderungs-Bedarf | zusätzlich Heilbehandlung | § 249 BGB |
Verwandte Themen
- Schmerzensgeld-Tabelle · alle Verletzungen
- Narbenbildung · besonders sensibel bei Kindern
- → Zurück zum Schmerzensgeld-Hub
- → Kürzungs-Checker · Wurde mein Anspruch unzulässig gekürzt?
- → Ihre Rechte als Geschädigter · Übersicht
Häufig gestellte Fragen
Warum bekommen Kinder mehr Schmerzensgeld?
Weil sie länger mit der Verletzung leben (Lebenszeit-Faktor) und Entwicklungsbeeinträchtigungen drohen. BGH VI ZR 87/00 erkennt diesen Aufschlag ausdrücklich an.
Wer empfängt das Geld bei minderjährigen Geschädigten?
Die Erziehungsberechtigten als gesetzliche Vertreter. Das Geld muss treuhänderisch verwaltet werden — Auszahlung an das Kind nach Vollendung des 18. Lebensjahres.
Sind Frühförderungs-Kosten zusätzlich erstattungsfähig?
Ja. Logopädie, Ergotherapie, Frühförderung sind Heilbehandlungs-Kosten nach § 249 BGB und werden separat zum Schmerzensgeld erstattet.
Wie weise ich Entwicklungsbeeinträchtigung nach?
Über kinderärztliche Verlaufsberichte, ggf. neuropsychologisches Gutachten, Lehrer-Berichte zu Schulleistungen, ergotherapeutische Befunde.
Was passiert, wenn Folgeschäden erst Jahre später auftreten?
Schmerzensgeld kann nachträglich angepasst werden (Anspruch lebt). Verjährung beginnt nach § 199 BGB erst mit Kenntnis des neuen Schadens.
Quellen
- Hacks/Wellner-Schmerzensgeld-Tabelle 2024 (44. Auflage)
- BGH-Rechtsprechung VI. Zivilsenat · höchstrichterliche Linie
- BVSK-Honorartabelle 2024 · Honorarkorridor V
- GDV-Statistik 2024 · Verkehrsunfälle und Personenschäden
- ICD-10-GM 2024 · medizinische Klassifikation
- § 249 BGB · § 253 BGB · § 254 BGB · § 287 ZPO
Keine Rechtsberatung. Die Einordnung hängt vom Einzelfall ab — bei strittiger Lage einen Anwalt für Verkehrsrecht einschalten. Inhaltliche Begleitung: LexDrive UG. Stand: Mai 2026.